Der Wahnsinn

Expressionismus und Wahnsinn

Von Orest wird berichtet, er sei mehrere Jahre häufig wiederkehrenden Depressionen verfallen gewesen. Die Krankheit war so ernst, dass man keinen Rat wusste und die Krankheit daher „Wahnsinn“ nannte. Dieser Wahnsinn, wie er in Goethes Schauspiel „Iphigenie auf Tauris“ (1786) gespiegelt wird, ist wie ein Bote, der dem expressionistischen, an Friedrich Nietzsches Schriften geschulten Diskurs über den Wahnsinn um mehr als hundert Jahre vorauseilt. Der Diskurs über den Wahnsinn, der die Kritik an dem, was als „normal“ gilt, beinhaltet, ist letztlich Kulturkritik. Expressionismus ist aufs Äußerste getriebene Kulturkritik, Kritik an der fortgeschrittenen Industrialisierung, Verwissenschaftlichung und schließlich Militarisierung der Gesellschaft – und insofern Anfang der Moderne.

Arbeitsanregungen:

  • Lesen Sie Georg Heyms Erzählung „Der Irre“.
  • Inwiefern fällt der „Irre“ aus der „normalen“ Perspektive heraus?
  • Was an der Geschichte ist Ihrer Meinung nach deutlich als Kulturkritik zu verstehen?

Lösungsvorschläge:

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