Kleists Kippfiguren

In der wissenschaftlichen Kleist-Forschung ist die Kippfigur so etwas wie eine Leitidee. Das Inventar der kleistschen Figuren wird nicht nach guten und bösen Naturen aufgeteilt. Die Aufteilung geht mitten durch das Herz der Figuren. Die Kippfigur ist die Figur, die unerwartet in ihr Gegenteil umschlägt, wie ein bekanntes Beispiel aus dem Kanon optischer Täuschungen zeigt. Die dargestellte Frau ist nicht mit einer älteren Frau, deren große Nase eine Warze ziert, zu verwechseln. In den Augen der Marquise von O. – und damit auch aus der Perspektive des dadurch beeinflussten, „mitfühlenden“ Lesers – stellt sich Graf F. beispielsweise, um die Marquise…

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