Eine emanzipierte Marquise?

Jochen Schmidt über Kleists „Die Marquise von O …“ Sachtextanalyse Handelt es sich bei Heinrich von Kleists Novelle „Die Marquise von O …“ wirklich um die kunstvolle Darstellung einer weiblichen Emanzipation? Diese Frage wird in dem vorliegenden Auszug aus Jochen Schmidts 2011 in dritter Auflage erschienenen Monographie „Heinrich von Kleist. Die Dramen und Erzählungen in ihrer Epoche“ in der gebotenen Kürze behandelt. Anfänglich sei die Marquise an ihre Familie gefesselt, erhebe sich dann aber, so Schmidt, vor allem durch die mutige Zeitungsannonce, zu ihrer vollen Selbstständigkeit. Was diesen Schritt zur Mündigkeit, begrifflich gesehen, von Kants Mündigkeitspostulat unterscheidet, wird von dem…

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Fama crescit

Die „unmögliche“ Schwangerschaft der Marquise von O. Als Colin Powell, der ehemalige Außenminister der USA, der Welt verkündete, im Irak gebe es Massenvernichtungswaffen, stützte er sich auf Falschmeldungen. Colin Powell schwor damit die Welt auf den lange Jahre währenden Irakkrieg ein. Wenn in der aktuellen Berichterstattung von Fake News gesprochen wird, dann sind meist auch deren verheerende Folgen gemeint. Immer wieder stellt sich die Frage, ob eine vom Hörensagen gestützte Geschichte Wahrheit beanspruchen darf, welchen Schaden sie anrichten kann. So groß ist der Unterschied zwischen den aktuellen „alternativen Fakten“ und den Falschmeldungen in der Antike dabei nicht. Als Sinon, unter…

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Alles gut?

Das Gnadenangebot des Kurfürsten Prinz Friedrich von Homburg: Vierter Aufzug, vierter Auftritt EINLEITUNG Für viele ist bereits das morgendliche Aufstehen Ausdruck des guten Willens. Frühaufsteher haben ihn gewiss in anderer Hinsicht nötig. Ohne den guten Willen verfehlen Vorsätze ihre Wirkung, verliert die Reue ihren Wert. Der gute Wille bildet schließlich den Charakter des Menschen. Heinrich von Kleist übernimmt diesen kantischen Gedanken in dem Schauspiel „Prinz Friedrich von Homburg“. Kleist scheint in dem Prinzen Charakterbildung demonstrieren zu wollen. Ist das Schauspiel daher als Erziehungsdrama zu betrachten? Dieser Vorstellung folgend wäre der Kurfürst der Erzieher des Prinzen und der Prinz durch den…

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Eine Frage der Ehre

Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ als Pflichtendrama Einige Schwierigkeiten bereitet die Frage nach dem Thema des kleistschen Schauspiels „Prinz Friedrich von Homburg“. Zum Vergleich: Goethes Schauspiel „Iphigenie auf Tauris“ gilt als klassisches Humanitätsdrama. Es erscheint jedoch unangebracht, Gleiches von Kleists Schauspiel „Prinz Friedrich von Homburg“ zu behaupten. Keine der beteiligten Figuren entwickelt sich in dieser Richtung. Das Gnadenangebot des Kurfürsten stellt in dieser Beziehung keine Ausnahme dar, stellt es doch den Prinzen in unmenschlicher Weise auf die Probe. Vielmehr liegt es nahe, Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ als Pflichtendrama aufzufassen. Das Drama nimmt demnach eine Wende, als der Prinz den…

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Des Menschen Wille ist sein Himmelreich

Prinz Friedrich von Homburg Für viele ist bereits das morgendliche Aufstehen Ausdruck des guten Willens. Frühaufsteher haben ihn gewiss in anderer Hinsicht nötig. Ohne den guten Willen verfehlen Vorsätze ihre Wirkung, verliert die Reue ihren Wert. Der gute Wille bildet schließlich den Charakter des Menschen. Heinrich von Kleist übernimmt diesen kantischen Gedanken in dem Schauspiel „Prinz Friedrich von Homburg“. Kleist scheint in dem Prinzen Charakterbildung demonstrieren zu wollen. Ist das Schauspiel daher als Erziehungsdrama zu betrachten? Dieser Vorstellung folgend wäre der Kurfürst der Erzieher des Prinzen und der Prinz durch den Herrscher zur Reife gelangt. Die vermeintliche Erziehung des Prinzen…

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