Sprache

Lyrik, Neue Subjektivität, Sprachreflexion

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Halte mich in deinem Dienst
lebenslang
in dir will ich atmen

Ich dürste nach dir
trinke dich Wort für Wort
mein Quell

Dein zorniges Funkeln
Winterwort

Fliederfein
blühst du in mir
Frühlingswort

Ich folge dir
bis in den Schlaf
buchstabiere deine Träume

Wir verstehen uns aufs Wort
Wir lieben einander

Rose Ausländer

Der Mensch ist ohne die Sprache lebensunfähig. Sie befreit ihn von dem Zwang, rein instinktiv zu handeln. Bei ihr ist allerdings nichts im Gleichgewicht. Sie ist kein Wassertropfen, bei dem sich alles gleichmäßig verteilt. Sie ist kein kunstreiches Spinnennetz. Manche Dichter sahen sich deshalb zum Schweigen verurteilt. Sie sahen die Sprache durchzogen von Defekten, die wiederum sprachlich zu kompensieren wären. Ad absurdum, klagt Hugo von Hofmannsthal, sei die Sprache verkommen. Heute stellt sich die Frage neu: Was nutzt die Sprache, wenn sie die Kultur verhöhnt, wenn sie die Wahrheit verfälscht, wenn mit ihrer Hilfe alle möglichen Teufeleien betrieben werden können?

Dichtung ist, wenn man trotzdem schreibt. Das gilt auch für Rose Ausländer. Sie tritt aus den unmenschlichsten Erfahrungen heraus und lässt sich ihre Freiheit, zu dichten, nicht nehmen.

Arbeitsanregungen:

  1. Informieren Sie sich über das Leben der Rose Ausländer.
  2. Interpretieren Sie das vorliegende Gedicht.