Das Unglück in München

Buddenbrooks

Tony Buddenbrooks Ehe mit Alois Permaneder

Thomas Mann: Buddenbrooks. 6. Kapitel

Das Unglück in München –
Tony Buddenbrooks Ehe mit Alois Permaneder

Der Roman „Buddenbrooks“ von Thomas Mann, 1901 erschienen, ist eine Familienchronik der besonderen Art. Der Bogen spannt sich über mehrere Generationen, von 1835 bis 1877. Erzählt wird die Geschichte der Lübecker Kaufmannsfamilie Buddenbrook, angefangen vom Sohn des Firmengründers, Johann Buddenbrook (gest. 1842), bis zu Thomas Buddenbrook (gest. 1875), nach dessen Tod die Firma liquidiert wird. Johann Buddenbrook ist während der napoleonischen Befreiungskriege durch Getreidelieferungen an das preußische Heer zu Reichtum gekommen. Die Handlung setzt ein, als das neue Wohnhaus der Familie, ein repräsentatives Patrizierhaus an der Lübecker Mengstraße, bezogen worden ist.

Der Roman ist eine Familienchronik der besonderen Art, da der Niedergang der Firma nicht nur beschrieben, sondern erklärt wird. Thomas Mann bedient sich dafür des zur Zeit des Fin de siècle allgemein in Künstlerkreisen beliebten Dekadenzmodells. Diesem Modell zufolge ist der Abstieg nicht ohne Aufstieg denkbar: der wirtschaftliche Verfall wird, um in den Worten Thomas Manns zu sprechen, von einer „Sublimierung ins Spirituelle“ begleitet.

Zu den Hauptfiguren des Romans zählen die Männer an der Spitze der Firma: Johann Buddenbrook, Jean Buddenbrook und Thomas Buddenbrook. Was die Frauenfiguren betrifft, nehmen die Erzählungen über Elisabeth Buddenbrook, geb. Kröger, Jean’s Ehefrau, und über Antonie Buddenbrook, Jean’s älteste Tochter, breiteren Raum ein. Antonie, die in der Familie „Tony“ genannt wird, ist sogar im gesamten Roman, direkt oder indirekt, gegenwärtig.

Die vorliegende Textpassage handelt von Tony Buddenbrooks fortschreitendem sozialen Abstieg, bedingt durch ihre zweite Ehe, mit Alois Permaneder in München. Tony’s erste Ehe, die Ehe mit dem Bankrotteur Bendix Grünlich, ist zur Zeit ihrer zweiten Ehe, in den Jahren 1857–1859, noch in lebendiger Erinnerung. Stets spricht Tony den Namen des eitlen Mitgiftjägers, von dem ihr Vater sich hat täuschen lassen, mit demonstrativer Verachtung aus. Immer noch fühlt sie, dass sie mit dieser Ehe der Familie und der Firma mehr geschadet als genutzt hat.
Nach dem Tod ihres Vaters (gest. 1855) hat sie bei dem Besuch einer Freundin in München den Hopfenhändler Alois Permaneder kennen gelernt. Der gutmütige Bayer und die Kaufmannstochter aus Lübeck finden sich sympathisch, und nach einem Besuch Permaneders in Lübeck wird der Entschluss zur Ehe gefasst. Thomas, der inzwischen zum Firmenchef aufgestiegen ist, erteilt seine Einwilligung, nachdem er die Vermögensverhältnisse Permaneders geprüft hat. Das Ehepaar lebt in München.

Alois Permaneder hat sich nach dem Erhalt der Mitgift zur Ruhe gesetzt. Die Abende verbringt er zumeist im Hofbräuhaus. Die maßlos enttäuschte Tony muss sich an ein einfaches, abwechslungsloses Leben ohne größere Bedeutung gewöhnen. Die gewohnte gesellschaftliche Anerkennung bleibt ihr versagt. Die Lage scheint sich zum Besseren zu wenden, als Tony schwanger wird.

Ich habe die Textpassage in folgende Abschnitte eingeteilt:

Z. 1–21: Tony’s Isoliertheit in München,
Z. 22–31: Tony’s Schwangerschaft, ihre Vorfreude auf Geburt und Taufe,
Z. 32–36: Der Tod des Neugeborenen unmittelbar nach der Entbindung,
Z. 37–44: Thomas und Gerda auf Besuch bei Tony,
Z. 45–52: Permaneders Reaktion auf den Tod des Kindes.