Strittige Sachverhalte

Argumentation

Die Analyse argumentativer Texte

Es ist nicht müßig, nach dem Unterschied zwischen Information und Argument zu fragen. Über die Abgrenzung verschiedener Argumente herrscht vermutlich mehr Klarheit als über die Differenz zwischen Information und Argument. Zu Recht werden normative Argumente anders behandelt als deskriptive Argumente. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die zahlreichen Listen verschiedener Argumenttypen der Sache gerecht werden.

Listen verschiedener Argumenttypen

Die Analyse argumentativer Texte („Sachtextanalyse“) müsste vor allem den Unterschied zwischen reiner Information und überzeugender Argumentation betreffen. Es besteht nämlich Grund zu dem Verdacht, dass es schwierig ist, die Parteilichkeit (Absicht, Intention, Interesse usw.) eines Textes zu erkennen. Rein informative Texte setzen niemals unterschiedliche Positionen voraus. Argumente dagegen besitzen eine soziale Dimension; sie setzen Opponenten voraus, die in unterschiedlicher Weise bezüglich des strittigen Sachverhalts Partei ergreifen. Das besagt konkret, dass argumentative Texte niemals aus diesem Kontext ausgeklammert werden dürfen. Nur so kommen nämlich Thesen und Argumente richtig zur Geltung.

Strittige Sachverhalte

Methoden

Analyse eines Sachtextes

Bekanntlich werden argumentative von informativen Sachtexten unterschieden. Zwar ist die Unterscheidung missverständlich, insofern Argumente immer auch Informationen enthalten, aber sie ist nützlich. Denn argumentative Sachtexte beruhen nicht nur auf dem, was gesagt oder gedacht wird. Jeder argumentative Sachtext belegt, dass das, worüber er etwas mitteilt, strittig ist. In den allermeisten Fällen liegt es allerdings so, dass der strittige Sachverhalt nicht unmittelbar einsichtig ist. Die Streitfrage wird nicht deutlich herausgearbeitet, sodass die entsprechende Festlegung, deren Anspruch auf Wahrscheinlichkeit, Glaubwürdigkeit, Berechtigung u. dgl. bestritten wird, beliebig oder sprunghaft erscheint.

Arbeitsanregung:

Überlegen Sie, was in dem vorliegenden Text von Ulrich Greiner die Streitfrage bildet.

  1. Ist Franz Kafka ein deutscher Schriftsteller?
  2. Darf der Begriff „Deutschsprachige Literatur“ durch den Begriff „Deutsche Literatur“ ersetzt werden oder nicht?
  3. Wie deutsch ist unsere Literatur?
  • Eine wünschenswert klare Formulierung der Streitfrage.
  • Als zugespitzt formulierte Überschrift geeignet, aber als Formulierung der Streitfrage denkbar ungeeignet – wie sollten die Adressaten angesichts der zirkulären Frage sich festlegen können?
  • Eine Frage, über die sich trefflich streiten ließe, in diesem Kontext jedoch nur von untergeordnetem Wert.

    Information und Argument

    Methoden

    Analyse eines Sachtextes

    Wer sich Sachtexten zuwendet, muss informative von argumentativen Texten unterscheiden lernen. Dabei stellt sich langsam heraus, dass Informiert-sein bedeutet, etwas zu denken oder etwas zu sagen. Wer etwas denkt oder sagt, kann selbstverständlich auch schlecht informiert sein. Doch was gedacht oder gesagt wird, bildet sich als die Eigenart der Information heraus, im Unterschied zum Argument. Bei dem Argument nämlich wird dem, der es versteht, bewusst, dass er über etwas etwas denkt oder über etwas etwas sagt. Bei der Analyse von Argumenten kann also beobachtet werden, worüber jemand etwas denkt oder sagt, worüber jemand Annahmen macht – und sich rechtfertigt und Gründe anführt. Argumentative Texte besitzen eine soziale Dimension.