Woyzeck in zehn Minuten!

Fausts Wette

Faust geht mit Mephistopheles keinen Pakt ein, sondern eine Wette. Die Wette lautet:

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In Goethes Fassung (V. 1693–1707) heißt es:

Faust:

Werd ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen,
So sei es gleich um mich getan!
Kannst du mich schmeichelnd je belügen,
Dass ich mir selbst gefallen mag,
Kannst du mich mit Genuss betrügen,
Das sei für mich der letzte Tag!
Die Wette biet ich!

Mephistopheles:

Topp!

Faust:

Und Schlag auf Schlag!

Werd ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!
Dann mag die Totenglocke schallen,
Dann bist du deines Dienstes frei,
Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,
Es sei die Zeit für mich vorbei!

Mephistopheles:

Bedenk es wohl, wir werden’s nicht vergessen.

Arbeitsanregungen:

Beurteilen Sie im Hinblick auf die Wette, wie Faust einzuschätzen ist:

  • als Heiliger,
  • als Vorbild,
  • als Übermensch,
  • als Streber,
  • usw.

Überprüfen Sie Ihre Einschätzung anhand folgender Szenen:
Nacht, Vor dem Tor, Auf der Straße.

Wissenschaftstheater

Faust und Wagner
(V. 522–601)

Illustration zu Faust I, entsprechend der Verse 1164 (deutsche Ausgabe): Blick über eine weite Landschaft bei untergehender Sonne. Im Vordergrund laufen Faust und Wagner Seite an Seite und blicken zurück nach rechts, zu dem Pudel mit leuchtenden Augen und erhobenem Schwanz. Darstellung in reich abgestuften Grautönen, die sich um die Figuren zu effektvollem Helldunkel verdichten.Stempel: Rückseitig in Violett: "FG" (verschlungen).Vorzeichnung zu: Farbige Vorarbeit im Musée des Beaux-Arts in Dijon (Abb. Ausst. Kat. Städel 1987/88, S. 72).Farbige Vorarbeit im Musée des Beaux-Arts in Dijon (Abb. Ausst. Kat. Städel 1987/88, S. 72).Illustrierte Textstelle: Faust - Der Tragödie erster Teil, Vor dem Tor

EINLEITUNG

  • Sie orientieren den Leser Ihrer Klausur über die „Tragödie Faust“, indem Sie Textgattung, Titel, Autor und Erscheinungsjahr des Textes benennen, den Inhalt und die Thematik kurz beschreiben, z. B.:

Die von Goethe so genannte „Tragödie Faust“ gibt Kontraste vor, die sich am Ende auflösen. Der Text bewahrt die Überzeugung, dass das Böse im eigenen Herzen keimt, die Hoffnung auf das Gute aber bestehen bleibt.

Der des Lebens überdrüssig gewordene Universalgelehrte Faust testet gedanklich die Grenzen des sittlich Erlaubten aus, als ihm wie zufällig der Teufel begegnet. Dieser möchte ihn auf den Weg des Bösen führen.

„Der Tragödie erster Teil“ wurde 1808 veröffentlicht, der zweite Teil in Goethes Todesjahr, 1832. Das Drama ist keine Tragödie im eigentlichen Sinn, weder die Form noch das Ende entsprechen den klassischen Vorbildern. Es ist Theater, das viele Formen in sich aufgenommen hat, eine Art „Welttheater“ oder: Theater über Theater.

HAUPTTEIL

  • Sie betten die Szene kurz in den Kontext ein.

Dem zu analysierenden Gespräch geht Fausts verzweifelt-quälender Monolog in der nächtlichen Studierstube voraus…

[Ergänzen Sie!]

  • Und Sie beschreiben und gliedern den Inhalt der Szene, z. B.:

Die Szene lässt sich wie folgt unterteilen:

V. 522–526
Faust steht die Vision des Erdgeistes noch ins Gesicht geschrieben, als es an der Tür des Studierzimmers klopft. Wie es Faust befürchtet hat, findet sich sein Gehilfe Wagner ein, die Nachtmütze auf dem Kopf. Er ist durch Fausts laute Rufe geweckt worden. Faust ist zwar verärgert, lässt Wagner aber eintreten.

V. 527–565
Faust und Wagner tauschen sich über die Aufgaben des Wissenschaftlers aus, wobei jeder der beiden sich von seinem eigenen Verständnis leiten lässt.

V. 566–595
Das Gespräch geht über zu der Frage, worin die Quellen der Erkenntnis bestehen.

V. 596–601
Wagner verabschiedet sich.

Sie informieren über Leitfragen bzw. wichtige Aspekte Ihrer Analyse, z. B.:

Wagner sollte zu den gewöhnlichen Wissenschaftlern gerechnet werden. Er ist weit davon entfernt, die Grenzen methodischen Wissens zu ermessen. In Faust dagegen gehen Wissenschaft und Leben ineinander über. Der vorliegende Textauszug macht deutlich, als was für ein Wissenschaftler Faust zu gelten hat.

  • Sie untersuchen die Szene unter den zuvor genannten Gesichtspunkten, z. B.:

Wagner wird in der Sekundärliteratur in der Regel der humanistischen Bildungsidee zugeordnet. Dies muss genauer bestimmt werden: Es zeigt sich zunächst an Wagners übertriebener Neugier (V. 601: „Zwar weiß ich viel, doch möcht’ ich alles wissen“), an seiner Verehrung der Antike (V. 523–525: „Ihr last gewiss ein griechisch Trauerspiel? / In dieser Kunst möcht’ ich was profitieren, / Denn heutzutage wirkt das viel“).

Dabei ist Wagner gleich zu Beginn völlig im Irrtum darüber, was Faust betrifft, der gerade nicht deklamiert hat, sprich: auswendig Gelerntes laut vorgetragen hat, sondern in der „Fülle der Gesichte“ [Vision, Anm. d. Verf.] (V. 520) laut mit dem geredet hat, was er erblickt hat.

Wagner und Faust reden, wie sich zeigen wird, in der vorliegenden Szene aneinander vorbei…

[Ergänzen Sie!]

  • Sie untermauern Ihre Ergebnisse durch Beobachtungen zur sprachlichen Gestaltung.

[Entwickeln Sie Ihre eigenen Vorschläge!]

SCHLUSS

  • Sie fassen Ihre Ergebnisse zusammen.
  • Sie beschreiben die Folgen des Dialogs für die weitere Handlung.

[Entwickeln Sie Ihre eigenen Vorschläge!]

Prolog im Himmel

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Faust –
Klausurvorbereitung

Aufgabe:
Analysieren Sie den Prolog im Himmel (V. 243–353) unter besonderer Berücksichtigung der Funktion des Teufels.

Einleitung

  • Sie orientieren den Leser Ihrer Klausur über die „Tragödie Faust“, indem Sie Textgattung, Titel, Autor und Erscheinungsjahr des Textes benennen, den Inhalt und die Thematik kurz beschreiben, z. B.:

     

    Die von Goethe so genannte „Tragödie Faust“ gibt Kontraste vor, die sich am Ende auflösen. Der Text bewahrt die Überzeugung, dass das Böse im eigenen Herzen keimt, die Hoffnung auf das Gute aber bestehen bleibt.

    Der des Lebens überdrüssig gewordene Universalgelehrte Faust testet gedanklich die Grenzen des sittlich Erlaubten aus, als ihm wie zufällig der Teufel begegnet. Dieser möchte ihn auf den Weg des Bösen führen.

    „Der Tragödie erster Teil“ wurde 1808 veröffentlicht, der zweite Teil in Goethes Todesjahr, 1832. Das Drama ist keine Tragödie im eigentlichen Sinn, weder die Form noch das Ende entsprechen den klassischen Vorbildern. Es ist Theater, das viele Formen in sich aufgenommen hat, eine Art „Welttheater“ oder: Theater über Theater.

    Hauptteil

    • Sie betten die Szene kurz in den Kontext ein.

     
    Dem Prolog im Himmel geht das Vorspiel auf dem Theater voraus. Der Theaterdirektor, der Dichter und ein Schauspieler („lustige Person“) unterhalten sich darüber, was ein gutes Theaterstück ausmacht…

    [Ergänzen Sie!]

    • Und Sie beschreiben und gliedern den Inhalt der Szene, z. B.:

     
    Der zu analysierende Text gliedert sich in folgende Abschnitte: Die Erzengel loben die Schönheit des Universums mit der alles belebenden Sonne in dessen Mittelpunkt (V. 243–270). Die Stimmung ändert sich, als der gefallene Engel Mephistopheles erscheint und illusionslos das beklagenswerte Los der Menschen zur Sprache bringt (V. 271–299)…

    [Ergänzen Sie!]

    • Sie informieren über Leitfragen bzw. wichtige Aspekte Ihrer Analyse, z. B.:

     
    Der Prolog im Himmel enthält dunkle Seiten, die zu raten aufgeben: Ist ein Gespräch zwischen Gott und Mephistopheles überhaupt möglich in der besten aller möglichen Welten? Warum tritt der Teufel vor Gott? Wie spricht der Teufel mit Gott?…

    [Ergänzen Sie!]

    • Sie untersuchen die Szene unter den zuvor genannten Gesichtspunkten. Sie eröffnen die Untersuchung mit Deutungshypothesen, z. B.:

     
    Das Erscheinen des Teufels ist durch das Leid der Menschen begründet. Und seine Klage zielt in die gleiche Richtung: Offenbar sieht Gott nämlich nur aufwärts zur Sonne, das Leid der Menschen aber, ihre erfolglosen Sprünge sind ihm verschlossen: „Er [der Mensch, Anm. d. Verf.] scheint mir […] / Wie eine der langbeinigen Zikaden, / Die immer fliegt und fliegend springt / Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt“ (V. 287–290). Mephistopheles versteht sich als Ankläger Gottes im Sinne der Menschen.

    Hinzu komme, so Mephistopheles, dass dem Menschen eine Spur vom „Himmelslicht“ (V. 284) gegeben worden ist: „Er nennt’s Vernunft“ (V. 285) – so kann es geschehen, darf man schließen, dass der Mensch sich völlig im Klaren darüber ist, dass sein Leben ungenießbar ist, dass er zuletzt immer im gleichen „Quark“ (V. 292) landet. Die Lage der Menschen sei also bedauerlich, trägt der Teufel vor, da sie nicht in Ordnung ist: Einerseits sei der Mensch „tierischer als jedes Tier“ (V. 286) – eine wirkungsvolle Figura etymologica! –, andererseits sei er durch die Vernunft den Engeln gleichgestellt.

    Mephistopheles tritt dabei nicht mit Furcht und Zittern vor den Schöpfer der Welt, er legt sich keine Zurückhaltung auf, sondern bringt frei und sogar spöttisch seine Beschwerde vor, scheinbar im Sinne der Menschen.

    Anders verhalten sich demgegenüber die Erzengel (V. 243–270). Sie sprechen nicht mit Gott, sie preisen Gott bzw. seine Werke – in feierlichem, hymnischem Ton (langsame jambische Vierheber).

    Es fällt auf, dass die Engel den Lobgesang einstimmig abschließen (V. 267–270). Die Form entspricht also dem Inhalt, geht es doch inhaltlich betrachtet um die Einstimmigkeit und Harmonie innerhalb der kosmischen Sphären. Aufgrund ihres affirmativen Verhältnisses Gott gegenüber und ihrer Einheit untereinander wegen wäre es möglich, sie als Jasager zu bezeichnen. Ihre Botschaft lautet: Alles ist gut!

    [Ergänzen Sie!]

    • Sie untermauern Ihre Ergebnisse durch summarische Beobachtungen zur sprachlichen Gestaltung.

     
    Schluss

    • Sie fassen Ihre Ergebnisse zusammen. Sie beschreiben die Folgen des Dialogs für die weitere Handlung.

     

Geisterstunde

Das Nachtmotiv in Goethes „Faust“

Die Bindung von Fausts erstem Auftreten an die Nacht hat ihren guten Grund. Es ist eine verbreitete Vorstellung, dass in der Nacht das Schicksal innehält.

„Nun ist die wahre Spükezeit der Nacht, /
Wo Grüfte gähnen, und die Hölle selbst /
Pest haucht in diese Welt. Nun tränk’ /
ich wohl heiß Blut, /
Und täte Dinge, die der bittre Tag /
Mit Schaudern säh’.“

(Shakespeare: Hamlet III 2)

In der Nacht, vorzüglich um Mitternacht wird nach gängiger Vorstellung nämlich das Gesetz der Zeit aufgehoben – die Luke zu der „Anderen Seite“ öffnet sich, und die Geister erscheinen. Vor diese „Andere Seite“ wird auch Goethes hybrider Universalgelehrter Faust versetzt, für den die Vernunft offensichtlich kein Allheilmittel mehr bedeutet, der sich „der Magie ergeben“ hat:

„Drum hab ich mich der Magie ergeben, /
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund /
Nicht manch Geheimnis würde kund.“

(Goethe: Faust I 4)

Arbeitsanregungen:

  • Erweitern Sie Ihre Phantasien über die „Andere Seite“, indem Sie die Gestaltung des Nachtmotivs in Goethes „Faust“ untersuchen.
  • Zur Einstimmung können Sie sich auf das Bild des Zeitgenossen Goethes Johann Heinrich Füssli (1741–1825) beziehen. Erläutern Sie, worin die Unterschiede zwischen Füsslis und Goethes Nachtdarstellung bestehen!

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Der Alchemist

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Er hätte auch Paracelsus oder Simon Magus heißen können. Faust, der Übelbeleumundete, hat die Leute ständig in Atem gehalten. Der Fürst empfing einen guten Eindruck von Faust – nun, das ausgestellte Horoskop schien ihm sicher zu sein. Luther sympathisierte mit ihm, auch in jener Seele habe der Teufel sein Nest gefunden.

Der volle Name des vom Erkenntnistrieb durchwalteten Mannes war: Johann Georg Faust. Er wurde vermutlich 1478 in Knittlingen geboren. Dieser Faust, warum sollte er nicht mit Dämonen sprechen, heißt es in einer Quelle. Ihn trieben sein Genie oder seine Melancholie dazu, die ihm gesetzten Grenzen zu überschreiten.

Arbeitsanregungen:

  • „Genie“ und „Melancholie“ – die Wörter kommen in Goethes Faustdichtung nicht vor; dennoch zeigt, demonstriert der Text durchweg Genie und Melancholie. Wie geschieht dies im Eingangsmonolog (Faust. Erster Teil: Nacht)?
  • Vergleichen Sie Goethes Schöpfung mit dem, was Sie über den historischen Faust, den Alchimisten aus Knittlingen in Erfahrung bringen können. Diskutieren Sie, inwieweit sich Goethe von der historischen Vorlage gelöst hat. Erarbeiten Sie dafür einen Steckbrief zu Johann Georg Faust. Unter dem folgenden Link gelangen Sie an weitere Informationen.

Ein Wissenschaftler namens Faust

Goethe: Faust (1832)

Im Folgenden ist von einem Wissenschaftler die Rede und von einem Tabu der Religion. (Sie sehen und hören Will Quadflieg in der Rolle dieses Wissenschaftlers.) Daran schließt sich die Frage an, worin das Drama um den Wissenschaftler mit dem Namen Faust eigentlich besteht. Auf diese Weise soll der Unterschied zu anderen Wissenschaftsdramen deutlich werden.

Faust ist kein Wissenschaftler vom Schlage Galileis. Wer den berühmten Wissenschaftler der Universität Padua aus dem Unterricht kennt, weiß, dass viele Verbindungen von ihm zur Kirche und von der Kirche zu ihm zurück führen. Er sieht, wie Brecht es im „Leben des Galilei“ (1943) darstellt, dass dessen Auseinandersetzung mit der Kirche nicht die Institution selbst, sondern deren Verteidigung des vorkopernikanischen Weltbildes betrifft. Brechts Schauspiel hat seine Abgründe, doch es sind nicht dieselben, über denen sich Goethes Drama erhebt.

Arbeitsanregungen:

  1. Was für eine Person vermuten Sie in Faust? Versuchen Sie seine Lebensumstände und -ziele zu beschreiben.
  2. Wie ist Fausts Verhältnis zur Religion?
  3. Durch Ersatzproben kann es gelingen, das Besondere einer dramatischen Figur herauszustellen. Überarbeiten Sie den Eingangsmonolog, indem Sie selbst geschriebene Verse einfügen.
  4. Tragen Sie diesen Monolog szenisch vor.

Die Ablösung des ptolemäischen Denkens –

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Oder: Galileis Vergnügen an der neuen Welt

Bertolt Brecht: Leben des Galilei (1943), 3. Bild, Gespräch zwischen Galilei und Sagredo (Textgrundlage: Suhrkamp Basisbibliothek, Band 1)

In dem Theaterstück „Leben des Galilei“ von Bertolt Brecht, das im Jahr 1943 uraufgeführt worden ist, geht es um nichts weniger als um eine wissenschaftliche Revolution: die Ablösung des ptolemäischen durch das kopernikanische Weltbild. Titel- und Hauptfigur ist der italienische Mathematiker und Astronom Galileo Galilei.

In der dritten Szene kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Galilei und dem Kurator der Universität Padua, bei der Galilei seit 1592 als Mathematikprofessor im Dienst steht. Gegenstand der Auseinandersetzung ist das Teleskop, von dessen Verkauf sich der Kurator beträchtliche Einnahmen für die Universität versprochen hat. Das Gespräch zwischen Galilei und dem Kurator scheitert, weil es unterschiedlichen Sichtweisen folgt: Während Galilei das Teleskop vor allem als Hilfsmittel für die Forschung betrachtet, hat es für den Kurator rein ökonomischen Wert.

Vor dem Streit mit dem Kurator hat Galilei mit seinem Freund Sagredo den Himmel mit Hilfe des von Galilei verbesserten Teleskops betrachtet. Das Teleskop ermöglicht es Galilei, nicht nur die einzelnen Planeten, sondern auch ihre Trabanten, die sie begleitenden Monde und ihre Bahnen zu erforschen. Aus der wiederholten Beobachtung von vier Jupitermonden folgert Galilei, dass die Monde um den Jupiter sich nicht anders verhalten als der Mond im Orbit der Erde. So sieht er berechtigten Grund zu der Annahme, dass die Erde ebenso ein Planet wie der Jupiter sei.

Galilei ist sich darauf sicher, dass Kopernikus’ Hypothesen, kurz gesagt: das heliozentrische Weltbild beweisbar ist. Nachdem der Kurator enttäuscht und wütend den Raum verlassen hat, fährt Galilei fort, seinem Freund die Gestirne mithilfe des Fernrohrs zu erläutern. Dabei teilt er ihm seine neuen Erkenntnisse mit.

Was sich von Beginn an mitteilt, ist Galileis Begeisterung: Er findet die Lehren der Kopernikaner bestätigt (S. 34, Z. 25: „Sie hatten recht!“; vgl. S. 34, Z. 27–28, Z. 35–36). Von dieser Begeisterung Galileis ist das gesamte dritte Bild bestimmt. Immer wieder verweist der Wissenschaftler auf den Stellenwert seiner neuen Beobachtung und gibt sich Mühe, auch Sagredo mit seiner Begeisterung anzustecken (S. 34, Z. 32: „Sagredo, du sollst dich aufregen!“; vgl. Z. 35–36). Doch dieser reagiert verhalten, ja sogar besorgt und ängstlich (S. 34, Z. 23: „Beruhige dich!“; vgl. Z. 31; S. 35, Z. 1–2: „ich zittere, es könnte die Wahrheit sein“). Galilei denkt nun daran, Andrea an seiner Freude über die Neuigkeiten am Himmel teilhaben zu lassen (vgl. S. 34, Z. 28–30). Vermutlich wird der Elfjährige Galileis neu entfachten Idealismus begeisterter als Sagredo aufnehmen (vgl. Bild 1). So ruft Galilei aufgeregt nach Frau Sarti (vgl. S. 34, Z. 29–30, Z. 32). Die Neuigkeiten am Himmel – so lässt sich der Beginn des vorliegenden Textauszugs zusammenfassen – lösen bei Galilei Euphorie aus, stellen sie doch für ihn eine wissenschaftliche Revolution dar, nämlich die Beweisbarkeit des kopernikanischen Systems.

Die Ablösung des ptolemäischen Denkens – weiterlesen

Rechentafel und Fernrohr

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Dass die Rechentafeln (vgl. Brecht: Leben des Galilei, 6. und 12. Bild) wie das Fernrohr (vgl. Brecht: Leben des Galilei, 2., 3., 4., 6., 9., 10. und 14. Bild) auf Galileo Galilei zu beziehen sind, ist selbstverständlich. Rechentafel und Fernrohr (Teleskop) sind als Dingsymbole oder Leitmotive zu verstehen. Sie sind bedeutsam, weil sie im Hinblick auf Bertolt Brechts Figur des Galilei bedeutsam sind. Rechentafel und Fernrohr bringen bestimmte Seiten der Figur zum Bewusstsein. An der Rechentafel tritt die mathematische Seite Galileis hervor: Das Vorausberechnete soll sich nicht von dem Beobachteten unterscheiden. Galilei macht sich dabei das unendliche Zahlenmaterial Tycho Brahes zunutze, welches bei unzähligen Beobachtungen zusammengetragen worden ist. Am Fernrohr dagegen tritt die empirische Seite Galileis zum Vorschein: Die auf Beobachtung gestützte, sprich: empirische Wissenschaft ist darauf gerichtet, die Wirklichkeit in möglichst reiner Form, d.h. von jeder subjektiven Meinung gereinigten Form abzubilden.

Arbeitsanregung:

  1. Untersuchen Sie den Gebrauch der Leitmotive: Welche Bedeutung haben die Rechentafeln z. B. an folgender Stelle (Brecht: Leben des Galilei, 6. Bild): „Wie kann es Leute geben, so pervers, dass sie diesen Sklaven ihrer Rechentafeln Glauben schenken! Welches Geschöpf Gottes wird sich so etwas gefallen lassen?“ Welche Vorstellung soll dabei hervorgerufen werden?
  2. Untersuchen Sie weitere Stellen. Halten Sie Ihre Ergebnisse tabellarisch fest.

Ein Meister der Wissenschaften

Es gibt nur wenige Forscher, in denen sich der Anspruch der Wissenschaft derart verkörpert wie in Galileo Galilei. Galileo Galilei war ein Meister der Beobachtung und Berechnung, jemand, der zum Beispiel das Teleskop und die damit verbundenen Möglichkeiten besser als jeder andere seiner Zeit zu nutzen verstand. Die Schwierigkeiten, denen dieser Wissenschaftler begegnete, sind heute aus dem Blickfeld geschwunden. Im 21. Jahrhundert stehen Wissenschaftler vor anderen Problemen.

Arbeitsanregungen:

  1. Recherchieren Sie bedeutende Forscher der Gegenwart!
  2. Erarbeiten Sie im Rahmen dieser Recherche, welcher Kritik heutige Wissenschaftler sich stellen müssen!