Im Namen seiner Eltern

Kafka: Die Verwandlung. Prokuristenszene Zwei Thesen vorweg: Auch wenn es entmutigend viele Deutungen von Gregor Samsas „Verwandlung“ gibt, zählt diese Erzählung zu den interessantesten, die Franz Kafka geschrieben hat. Prinzipiell ist es möglich, Zusammenhänge zwischen dem Geschick Gregors und der Arbeitsteilung in der „Welt der Angestellten“ (Kracauer) herzustellen. Einige Interpreten dagegen neigen dazu, Gregor als Opfer eines in der Familie begründeten Schuld- und Schamkomplexes anzusehen. Die Prokuristenszene (Kafka 2015: 12,11–14,5) lässt sich mit beiden Deutungsansätzen in Verbindung bringen. Sobald wir in der Scham das bestimmende Motiv für Gregor Samsas Verwandlung erkannt haben, stoßen wir auf eine wichtige Frage: Ist die…

Weiterlesen

Prügler

Die Idee der Schuld war klar und präzise, als Kafkas Roman „Der Proceß“ die Rumpelkammer öffnete. So nämlich ist die Scham in neuer Bedeutung entstanden. Arbeitsanregungen: Das Prügler-Kapitel kennen Sie vermutlich bereits aus dem Deutschunterricht. Hören Sie sich das Kapitel in einer Produktion des Bayerischen Rundfunks an. Sammeln Sie Anklagepunkte, die K. belasten. Überlegen Sie, vor welchem Gericht die Anklagepunkte vorgebracht werden könnten: vor einem ordentlichen Gericht, einer Ethikkommission, K.s eigenem Gewissen? Schreiben Sie nun zwei Anklageschriften, die an verschiedene Gerichte adressiert sind. Eine Schreibhilfe ist es, der Anklageschrift zunächst ein bestimmtes Strafmaß zuzuordnen. Begründen Sie dann dieses Strafmaß.  

Der beengte Raum –

Der Blick Josef K.s als Bezugssystem Wer von der Untersuchung der Scham zur Untersuchung des Raums in Kafkas Roman „Der Proceß“ übergeht, betritt von einem allgemeinen Standpunkt aus eigentlich kein neues Gebiet. So bedeutsam der Unterschied zwischen Scham und Raum methodisch gesehen auch sein mag, sie bilden doch Unterarten derselben Gattung: der Widerspiegelung der Wirklichkeit. Gerade bei dem Raum bedarf dies keiner besonderen Begründung, denn der Raum kann nichts anderes bedeuten, als dass das, was in der Wirklichkeit als Raum erblickt wird, auf ein Bezugssystem verweist, in dem es „widergespiegelt“ wird. Es ist daher leicht verständlich, dass der Raum keine…

Weiterlesen

Scham und Schuld

Kafka: Der Proceß Die Aufgabe des Gerichts besteht darin, über die Schuld des Verhafteten zu wachen. Mit der Verhaftung ist damit mehr erreicht, als es vielleicht den Anschein hat. Die durch die Verhaftung ausgelöste Scham ist die Elementartatsache innerhalb der neuen Erfahrungen Josef K.s. Mit der Verhaftung ist die Scham des Verhafteten sichergestellt. Auf der Seite K.s entsteht nun so etwas wie ein bedingter Reflex, indem er sich auf seine Scham fixiert.

Der Prügler

Franz Kafka: Der Proceß Was Josef K., der Held des Romans „Der Proceß“ von Franz Kafka, erlebt, wächst aus dem Alltag heraus, ist aber mit dem Alltag eng verbunden. Stets ist Josef K. im Büro zu finden, in dem vorliegenden Kapitel zum Beispiel, dem Prügler-Kapitel, verlässt er abends als einer der Letzten das Bürogebäude. Der Leser erfährt dabei, dass der Büroalltag Erfahrungen hervorbringt, die sich dem Glauben an die Fortschritte des Menschengeschlechts auf grausame Art widersetzen. Entscheidendes hat sich in Josef K.s Leben ereignet. Er ist verhaftet worden, ohne in das Geheimnis der gegen ihn zu Recht oder Unrecht erhobenen…

Weiterlesen

%d Bloggern gefällt das: