Der neue Mensch

Expressionismus

Die Expressionisten brauchen offenbar die Konfrontation mit dem Primitiven. Carl Einstein legt in seinen Ausführungen über die „Negerplastik“ (1915) das Augenmerk auf die Plastizität primitiver Kultfiguren, die „kubische“ Verselbstständigung ihrer Teile. Einstein kommt zu dem Schluss:

„[D]er eigentümlich starre Ausdruck, der auf den Gesichtern geformt ist, […] heißt nichts anderes als letzte Intensität des Ausdrucks, befreit von jedem psychologischen Entstehen; zugleich ermöglicht [er] vor allem eine geklärte Struktur.“

Es überrascht daher nicht, wenn expressionistische Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und Max Pechstein der Zivilisation den Rücken kehren und in den deutschen Kolonien im Stillen Ozean nach Anregungen für die Darstellung des „neuen“ Menschentypus suchen.

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Ernst Ludwig Kirchner: Rückschauende, 1913, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf.

Henriette Hardenberg
Wir werden (1913)

Wir werden herrlich aus Wunsch nach Freiheit.
Der Körper dehnt sich,
Dieses Zerrende nach geahnten Formen
Gibt ihm Überspannung.
Schwere Hüften schauern sich zu langem Wuchse.
Im Straffen beben wir vor innerem Gefühl —
Wir sind so schön im Sehnen, daß wir sterben könnten

Arbeitsanregungen:

  • Diskutieren Sie an Text und Bild die Grundbegriffe expressionistischer Darstellungsweise.