Über die Sprache des Menschen

Herder, Sprachreflexion

Als Wirbel- und Säugetier ist der Mensch dem Tier untergeordnet, als Person ist er ihm entgegengesetzt. Demnach bestehen Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Gegensätze zwischen Mensch und Tier. Hinsichtlich der Sprache gilt: Sowohl der Mensch als auch das Tier sprechen. Bestimmte Wirbeltiere, Graupapageien zum Beispiel, können eine erstaunliche Vielzahl von Wörtern artikulieren. Wer jedoch den Begriff der Sprache in diesem Sinne verwendet, lässt die Darstellungsfunktion der Sprache unberücksichtigt.

Es liegt auf der Hand, dass die Tier- und Menschensprache Signalsprache ist. So muht die Kuh, wenn sie gemolken werden möchte; so signalisiert der Mensch durch sein Räuspern, dass er angehört werden möchte. In beiden Fällen handelt es sich um Appelle. Ähnlich verhält es sich bei dem Bienentanz oder bei weiteren, vergleichbaren Beispielen. Was die Appellfunktion der Sprache betrifft, bildet der Mensch keine Ausnahme im Tierreich.

Auch von der Ausdrucksfunktion her lässt sich keine Sonderstellung des Menschen ableiten. Auf diesen Umstand hat Johann Gottfried Herder in seiner preisgekrönten „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ eindringlich hingewiesen.

Erst die vergleichende Analyse der Darstellungsfunktion macht den Unterschied.

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