K. und die Frauen

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1. Fräulein Bürstner

Fräulein Bürstner, Josef K.s Zimmernachbarin, erweckt sein Interesse und bedeutet ihm Abwechslung in seinem infolge der Verhaftung halb und schal gewordenen Dasein. Im Verlauf ihrer Begegnung kommen K.s narzisstische Überlegenheitsgefühle hervor. K. glaubt Macht über Fräulein Bürstner ausüben zu können.

Das erste Kapitel enthält ein Gespräch zwischen Josef K. und Fräulein Bürstner [Franz Kafka: Der Prozeß. Roman. Suhrkamp (st 3669): Berlin 6. Auflage 2012, 29,7–36,8]. K. drängt es danach, seiner Zimmernachbarin von den Umständen seiner Verhaftung zu erzählen. Er besteht darauf, die Verhaftung nachzuspielen, und rückt dafür sogar Fräulein Bürstners Nachttischchen von seinem Platz.

Folgende Gliederung ist möglich:

  1. Bitte um Einlass in das Zimmer (29,7–30,8)
  2. Vorgeschobene Entschuldigung K.s für die morgendliche Unordnung in Fräulein Bürstners Zimmer (30,9–31,4)
  3. Bericht über die Verhaftung (31,4–32,20)
  4. Zunehmende Faszination K.s wegen Fräulein Bürstners Attraktivität (32,20–33,1)
  5. Theatralische Nachahmung der Verhaftung (33,1–33,28)
  6. Jähe und energische Störung durch einen unvermuteten Zimmernachbarn – Hauptmann Lanz (33,29–34,8)
  7. Josef K.s Beschwichtigungsversuch (34,8–35,20)
  8. Heftiger, sexueller Übergriff K.s auf Fräulein Bürstner (35,21–36,8).

    Arbeitsanregungen:

    K. und die Frauen: Fräulein Bürstner

    ARBEIT AM TEXT

    • Wie wird Fräulein Bürstner äußerlich beschrieben?
    • Wird Fräulein Bürstner im Voraus „angekündigt“ – falls ja, wie?
    • Welche Charakterzüge werden ausdrücklich genannt, welche lassen sich aus ihrem Verhalten erschließen?
    • Wie kommuniziert Fräulein Bürstner mit K. – zugewendet, ironisch, herablassend, aggressiv, heiter usw.?
    • Wie verhält sich Fräulein Bürstner vor dem Gespräch mit K., wie nach dem Gespräch?
    • Wie ist sie sozial einzuordnen?
    • Wie wird sie von K. bewertet, eingeschätzt?
    • Was denkt Fräulein Bürstner über sich selbst, über K.?

    ARBEIT AM SPIEL

    Erschließen Sie die Subtexte der Figuren, indem Sie informative Sprechtexte aus dem Dialog mit K. in Ihre Hefte übertragen und die Subtexte in kleiner Schrift darunter setzen.

    • Erproben Sie den Dialog in Vierergruppen, wobei Sie die Subtexte hinzunehmen.
    • Zwei Spieler stellen die Rollen FRÄULEIN BÜRSTNER und JOSEF K. dar, zwei Spieler deren Subtexte. Die „Subtexte“ sollen ihren Rollen dabei wie ein Schatten folgen.

    Werten Sie die Szene nach dem Spiel aus.

    • Wurden die Haltungen der Figuren deutlich?
    • An welchen Stellen wirkte das Gespräch zwischen K. und Fräulein Bürstner besonders interessant, spannend, überzeugend?
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