Drama, Schiller, Drama!

Schiller, Sturm und Drang

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Das Drama als Medium der Affekte

Schillers bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“ erfährt nicht selten Kritik. Grund dafür ist in aller Regel die schaurig-rührende Ausgestaltung der Handlung.

Der Sohn eines machthungrigen Ministers (Ferdinand) macht einem Mädchen (Luise) aus bürgerlicher Familie den Hof. Er kommt zu der Sechszehnjährigen ins Haus, besucht sie von nun an häufiger, verführt sie, macht ihr Geschenke, Geständnisse und gestrenge Vorwürfe, wenn seine Eifersucht entfacht wird. Als beider Väter von der Mésalliance erfahren und ein Machtwort sprechen, ist das Ende bereits abzusehen. Schiller gestaltet dies mit großem Pathos. Die Tochter beugt sich dem Willen des Vaters (Stadtmusikant Miller), der Sohn dagegen nicht. Der sucht den Streit mit dem Vater (Präsident von Walter), droht ihm, macht ihm fürchterliche Szenen, greift sogar zur Waffe. Schiller scheut nicht den großen, dramatischen Zauber, schließlich geht es ihm darum, den Konflikt zwischen Freiheit und Moral in Szene zu setzen. Am Ende sterben Sohn und Tochter, zu bieder ist die Moral der Bürger, zu korrupt und anfällig die vielbeschworene Freiheit.

Schiller ist also ein Dichter, der auf die Wirkung seiner Bühnenwerke setzt. Der Sohn, der es verschmäht, seinem Vater Folge zu leisten, einem erwiesenermaßen eisernen Vater, muss dafür büßen. Ferdinand, der dem Zuschauer zunächst als gut erscheint, stiftet dabei selber schrecklichen Schaden. Miller möchte die Tochter retten und setzt sie dabei ungeheueren Vorwürfen aus, dass sie am Ende daran zerbricht. Schillers Drama, in dem das Gute stets jäh und unvorhergesehen in das Böse umschlägt, kann daher keine ruhigen Dialoge enthalten.

Arbeitsanregungen:

  • Spielen Sie einen der Wortwechsel zwischen Vater und Tochter, z. B. Ausschnitte aus der Szene V, 1.
  • Spielen Sie den Dialog zweimal und probieren Sie Ihr Spiel gegensätzlich zu gestalten.
  • Nehmen Sie dafür zunächst eine Haltung ein, die von Sympathie zwischen den Figuren bestimmt ist.
  • Kehren Sie dann Ihr Spiel um und lassen Sie Vater und Tochter mit Abscheu aufeinander reagieren.
  • Die anderen aus dem Kurs können nun sagen, was sie wahrgenommen haben, ob Ihr Spiel ihrer Vorstellung von der Szene entspricht, widerspricht, zum Text passt usw.