Böses und Gutes, Böses ohne Gutes –

Schiller, Sturm und Drang

Tragische Schuld und Intrige in „Kabale und Liebe“

Glück und Unglück, so teilt es das bürgerliche Trauerspiel dem Zuschauer mit, werden auch in der bürgerlichen Familie fassbar. Und Glück und Unglück, ganz wie in der Tragödie – man nehme König Ödipus als Beispiel – kommen von derselben Seite. Und dass jemand, der das Gute will, zugleich das Böse schafft, begründet das Phänomen des Tragischen. Die dialektische Einheit von in den Figuren angelegten positiven und negativen Kräften lässt sich auch in Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ aufweisen. Vater Miller, so zeigt es sich, ist sich der tragischen Schuld nicht bewusst, Ferdinand empfängt am Ende davon eine Ahnung.

(Für Ferdinand gibt es eigentlich keinen Trost. Denn das Unglück, für das er verantwortlich ist, liegt unmittelbar in seiner Moralität begründet – begehrt sein Herz doch zu Recht gegen die erzwungenen Ständegrenzen auf.)

Sekretär Wurm dagegen ist ein ausgemachter Bösewicht, ein Intrigant par excellence, eine Figur, von der man kaum glauben möchte, dass Schiller dabei an ein historisches Vorbild gedacht haben könnte. Wurm ist bühnenwirksam – für ihn aber darf das Wort „Tragik“ nicht gebraucht werden, denn er stiftet Schaden, ohne das Gute zu wollen.

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