Die Sprache

Sprachreflexion

Prinzipien der Sprachtheorie

Der Gegenstand der Sprachtheorie wird traditionell in zwei Bereiche aufgeteilt, in den der θέσει und in den der φύσει. Die Sprache ist demzufolge unvollkommen, weder stellt sie ein einheitliches Wesen dar, noch vermittelt sie eine einheitliche Erkenntnis. Der θέσει (griech. „Gesetzgebung; Konvention“) nach ist sie reine Willkür. Die Dinge, die ja für sich genommen „stumm“ sind, können mit diesem oder mit jenem Laut bezeichnet werden. Der Stubenfliege ist der sprachliche Laut versagt, sie teilt ihr Wesen nicht unmittelbar und bewusst mit. Allerdings ist ihr Wesen zu sehen. Doch davon kann nur an anderem Ort die Rede sein. An dieser Stelle muss festgehalten werden, dass dieser schon bei Platon im Dialog „Kratylos“ ausgesprochene Gedanke mindestens seit Ferdinand de Saussures bahnbrechender Darstellung „Cours de linguistique générale“ (1916) als das Prinzip der Arbitrarität der Sprache begriffen wird.

1. Prinzip der Arbitrarität

Es ist also wichtig, zu sehen, dass das Wesen der Sprache im Inneren der Vorstellung bleibt. Der Begriff des Bezeichneten (signifié) bleibt insofern „stumm“. Ferdinand de Saussure fügt diesem Gedanken die folgende Zeichnung bei.

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2. Prinzip der Mutabilität

Was über das Wesen der Dinge mitgeteilt wird, ist austauschbar innerhalb der Sprachgemeinschaft, aber auch – Ferdinand de Saussure weist daraufhin – zwischen den Sprachgemeinschaften:

So ist die Vorstellung ,,Schwester” durch keinerlei innere Beziehung mit der Lautfolge Schwester verbunden, die ihr als Bezeichnung dient; sie könnte ebensowohl dargestellt sein durch irgendeine andere Lautfolge: das beweisen die Verschiedenheiten unter den Sprachen und schon das Vorhandensein verschiedener Sprachen: das Bezeichnete ,,Ochs” hat auf dieser Seite der Grenze als Bezeichnung o-k-s, auf jener Seite b-ö-f (bœuf).

Wenn die Sprache trotz dieser Prinzipien dennoch unter dem Gesichtspunkt der φύσει (griech. „Naturgesetz; Naturnotwendigkeit“) betrachtet wird, dann geschieht dies vor allem deshalb, weil der Sprachgebrauch seit jeher auch kritisch befragt wird. Das Interesse an dem richtigen Sprachgebrauch, oder: an der Wahrheit der Sprache bleibt eben immer lebendig.