Kommunikationsmodelle

1. Das Shannon-Weaver-Modell In allen Diskussionen über den Nutzen von Kommunikationsmodellen bleibt aber immer die Angst vor dem Scheitern der Kommunikation bestehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein origineller, schöpferischer Kopf Angst bekäme, dass seine Rede mit der „leeren“ Rede eines geschäftigen Schwätzers – eines Chatbots beispielsweise – gleichgesetzt wird, wenn er sich klar macht, dass in derartigen Modellen sein Reden auf ein Minimum von Elementen zurückgeführt wird, so im Sender-Empfänger-Modell zum Beispiel, über Entropie und Datenkompression, auf die Übermittlung von binären Signalen. Was erlaubt das Morsealphabet, was das Telefon, was Alexa – und was erlauben sie nicht? Es…

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Kommunikation II

Die morsende Else Ich erzähle also davon, dass meine vier Tiere die Eckpunkte meiner bevorzugten Gespräche bilden. Allerdings genügt es nicht, dass wir diese Gespräche führen; jemand muss sie auch kommentieren. Vergesst aber nicht, welche Vorkehrungen wir getroffen haben, um unsere Kommunikation vor Menschenurteil zu schützen! Der Kommentator muss also vorsichtig sein! Morgens, wenn es hell wird, bereits, in einer Ecke des Stalls, werden diese Gespräche geführt. Oft haben Sebastian und ich an der Ostseite des Gebäudes gestanden und verfolgt, wie die Kuh Else ihre Nase ins Futter tauchte, bei jedem Schwung „Weiter so, Else!“ rufend. „Das ist ein Signal!“,…

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Kommunikation I

Kommunikation ist Übersetzung Kommunikation ist im Wesentlichen Übersetzung. Das betrifft nicht nur die Übersetzung aus einer Fremdsprache in die eigene Sprache. Das betrifft auch die Übersetzung der aus menschlicher Perspektive unvollkommenen Mitteilung einer Schildkröte, die spazieren zu führen um 1840 in Paris Mode gewesen sein soll. Nehmen wir an, die Schildkröten besäßen die Fähigkeit, komplexer als bisher angenommen untereinander kommunizieren zu können. Darwin sah sie als Geschöpfe der Vorzeit an, und dass man sie für taub gehalten hat, sei für ihn nicht verwunderlich. So hätten die Schildkröten, die er auf den Galapagosinseln erkundet habe, regelmäßig zu seinem Ergötzen wie unvermittelt…

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Die Telefone sterben aus

Oder: Wie Jugendliche kommunizieren – Das Internet bietet Informationen in einem Umfang, der vorher nie und nirgends vorstellbar gewesen ist. Es erzeugt zudem die Illusion, dass jedermann an dem Austausch dieser Informationen partizipieren könnte. Das Angebot ist verlockend. In den letzten Jahrzehnten ist ein Kommunikationssystem zweiten Grades entstanden, welchem die herkömmlichen Kommunikationsformen aus kommunikationstheoretischer Sicht kaum mehr zugeordnet werden können. Das Telefon ist zum Beispiel bei Jugendlichen laut den neuen Erhebungen des Instituts für Demoskopie Allensbach nicht mehr vonnöten. Auch der unmittelbare Austausch face to face geht offenbar zurück. Die Hauptsache scheint wohl, dass die Informationen fließen. Laut Allensbach ist…

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Vater und Sohn

Gabriele Wohmann: „Denk immer an heut nachmittag“ (1968) Die Kurzgeschichte „Denk immer an heut nachmittag“ von Gabriele Wohmann aus dem Jahr 1968 schildert die Schwierigkeiten eines Vaters, mit seinem Sohn zu kommunizieren, nachdem die Ehefrau und Mutter verstorben ist. Das zu Grunde liegende Geschehen lässt sich mit wenigen Sätzen zusammenfassen: Ein Mann, der vor Kurzem seine Frau verloren hat, muss seinen Sohn in einer Internatsschule unterbringen. Auf dem Weg zur Einschulung versucht der Vater den Sohn mit allerlei gut gemeinten Ratschlägen aufzuheitern, die aber sämtlich fehlschlagen. Die Situation lässt sich nach vier Aspekten gliedern: die Bahnfahrt; das Gespräch über den…

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