Literatur von unten

Neue Sachlichkeit

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Kästners Großstadtrealismus

Da auch die Literatur ein System ausbildet, setzt Erich Kästner auf die Sicht „von unten“. So ist auch das Tischbein, besser gesagt: Emil Tischbein erklärt. Wer kann, auf dem Fußboden liegend, Stuhlbeine und Tischbeine vor sich, über dekorative Korallenriffe schreiben? So ähnlich äußert sich Erich Kästner im Vorwort zu dem Kinderbuch „Emil und die Detektive“.

„Wenn man so der Länge nach in der Stube liegt, kriegt die Welt ein ganz anderes Gesicht. Man sieht Stuhlbeine, Hausschuhe, Teppichblumen, Zigarettenasche, Staubflocken, Tischbeine; und sogar den linken Handschuh findet man unterm Sofa wieder, den man vor drei Tagen im Schrank suchte.“

Womit der Autor sich implizit gegen den Exotismus der expressionistischen Schriftsteller wendet, deren Geschichten in der Südsee spielen. Ein Kellner jedenfalls erklärt dem Autor in diesem Vorwort, warum er es nicht wie die meisten Schriftsteller machen sollte:

„Ihre Südsee und die Menschenfresser und die Korallenriffe und der ganze Zauber, das ist [deren] Gans. Und der Roman, das ist [deren] Pfanne, in der [sie] den Stillen Ozean und die Petersilie und die Tiger braten wollen. Und wenn [sie] eben noch nicht wissen, wie man solches Viehzeug brät, kann das ein prachtvoller Gestank werden.“

Und der Kellner empfiehlt, dass der Autor über das schreiben solle, was er kennt.

So werden in Kästners Romanen trostlosen Tischen und schäbigen Stühlen literarische Denkmäler gesetzt und höchst individuelle Helden wie Emil Tischbein in die düstere Großstadt gelassen.

Arbeitsanregungen:

  1. Was ist mit „Literatur von unten“ gemeint?
  2. Klären Sie die Begriffe „Realismus“, „Großstadtrealismus“, „dokumentarische Literatur“ mithilfe von Lexika und Nachschlagewerken.