Der Kaiser ist tot!

Franz Kafka: Eine kaiserliche Botschaft

 

Der Raum selbst – als Bedingung der Möglichkeit der sinnlichen Erscheinung – mag wirkungslos sein. Er ist dennoch zu durchmessen. In Kafkas Erzählung „Eine kaiserliche Botschaft“ – als selbstständiges Prosastück aus der Erzählung „Beim Bau der chinesischen Mauer“ herausgelöst und im Buch „Ein Landarzt“ veröffentlicht – gibt es bestimmte Räume, die den Kaiser vom Empfänger der Botschaft trennen. Es gibt die hinderliche Menge, es gibt Treppen, es gibt unzählige Höfe. Es ist das „überlieferte“ Wort, das der Bote zu überbringen hat. Der Kaiser stirbt, als der Bote sich auf den Weg macht. Welcher Leser dächte nicht an die christliche Botschaft? Das Wort Gottes ist wirkungslos geworden, heißt es bei Nietzsche, das Wort des Kaisers in dieser Erzählung auch. Als „Sage“ ist das Prosastück in den Kontext der Erzählung „Beim Bau der chinesischen Mauer“ eingefügt: als Botschaft an „das Volk“, an die „Zuspätgekommene[n]“ (Franz Kafka: Erzählungen. Nach der Kritischen Ausgabe, hrsg. von Hans-Gerd Koch, Fischer: Frankfurt am Main 1994, 353). Auch als Sage muss der Text – glaubt der Leser dem Inhalt – seine Wirkung verfehlen. Ihr Erfinder, sprich: der Dichter ist deshalb in „großer Verlegenheit“, könnte man mit Kafka daraus folgern.

 
Arbeitsanregung:

  • Diskutieren Sie das folgende Schema: Wird der Sinn der Parabel ausreichend erfasst?

 

 

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