K. und die Frauen

K. und die Frauen: Fräulein Bürstner

Josef K. ist von der Übermacht seiner scheinbar „sehr gut[en]“ Kenntnisse über Fräulein Bürstner, derer er sich im Gespräch mit seiner Vermieterin Frau Grubach rühmt (Franz Kafka: Der Prozess. Roman. Hamburger Lesehefte Verlag: Husum 2015, S. 20, Z. 34), wie vom Schlag getroffen. Über die alte Angst infolge der verwirrenden Verhaftung am Morgen seines 30. Geburtstags hat sich eine neue Macht gelagert: Frau Grubach wenigstens, so scheint es, gilt er trotz aller Umstände weiterhin als Autorität unter den Mietern. Ihr peinliches Gerede über Fräulein Bürstner aber kann er nicht dulden („Ich will Fräulein Bürstner gewiss nicht verleumden, […] aber eines ist wahr, sie sollte stolzer, zurückhaltender sein. Ich habe sie in diesem Monat schon zweimal in entlegenen Straßen immer mit einem anderen Herrn gesehen“ (ebd. 20,20–25).

In Gedanken geht K. mit Fräulein Bürstner ein erstaunliches Bündnis ein: So möchte er gemeinsam mit ihr kündigen, um die Vermieterin Frau Grubach „zu bestrafen“ (ebd. 21,9). Noch bevor er mit der jungen Frau gesprochen hat, fühlt er sich bereits von ihr angezogen. Man kennt die magische Wirkung, die Ideen auf Kinder haben. Ähnlich ergeht es K., als er meint, sich für Fräulein Bürstner einsetzen zu müssen. Hinzu kommt die magische Wirkung, die Frauen auf Männer haben. Josef K. erliegt der Sexualität wie ein „durstiges Tier“ (ebd. 26,31), das endlich die Quelle findet.

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