Das Problem des Raumes

Das Problem des Raumes im modernen Roman am Beispiel von Erich Kästners Roman „Fabian“ (1931) Selig ist die Zeit, in der die Wege weit und doch vertraut wie die eigenen vier Wände sind. Selig die Zeit, in der das Licht der Sterne Orientierung bietet. Don Quijote ist trotz seiner Verrücktheiten mit dieser Welt zurechtgekommen. Sancho Panza hat ihm dabei geholfen. Von ganz anderer Wesensart ist Erich Kästners tapferer Ritter mit dem Namen „Fabian“. „[M]an [kann] wirklich nicht wissen, wo man ist“, sagt der Erzähler (Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten. Erstausgabe von 1931, dtv: München 31. Auflage 2015, 12).…

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Brücken zur Moderne

Impressionismus und Expressionismus in Bild und Text Expressionismus und Impressionismus werden gemeinhin als Gegensätze betrachtet. Das heißt, was die Impressionisten in der Darstellung der lebendigen Luft dahingleitender Wolken abbilden wollten, lässt sich bei den Expressionisten nicht vorfinden. Die Idee, das Licht selbst zum Gegenstand zu machen und seine Reflexe zum Leuchten zu bringen, wie es Claude Monet zum Beispiel in seinen unzähligen Seerosenbildern festgehalten hat – es erscheint den Expressionisten unannehmbar. Auch die vom Sonnenlicht gesättigte, flirrende Atmosphäre auf der Leinwand, das harmonische Farbenspiel sind für die Expressionisten unmöglich. Die Landschaftsmalerei insgesamt erscheint als etwas Abseitiges und weicht den Darstellungen…

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Wendezeiten

Hofmannsthals „Brief“ im geschichtlichen Kontext 1. Bruch mit dem mittelalterlichen Weltbild (Aspekte) Während sich auf dem europäischen Kontinent die Ländergrenzen neu ordnen, wird das englische Königreich unter Elisabeth I. zur Vormacht auf den Meeren (1588: Untergang der spanischen Armada). Auf dem Land bilden sich nach dem Ende der Religionskriege (1598: Edikt von Nantes) die modernen Staaten aus. Land und Meer werden neu verteilt. Die Raumrevolution vollzieht sich auch im Bereich des Denkens. Das Bewusstsein für die Universalität des Raumes (Kopernikanisches Weltbild) und die Subjektivität der Raumvorstellungen (René Descartes) erwacht. 2. Aufbruch ins 20. Jahrhundert (Aspekte) Die Technik des 19. Jahrhunderts…

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Hofmannsthal: Ein Brief

Immer wieder ist die Frage nach der Intention des 1902 veröffentlichten, Epoche machenden „Briefs“ Hugo von Hofmannthals gestellt worden. Ist es die Frage nach dem eigenen Weg? Ist es eine Studie über die Biographie des österreichischen Dichters selbst, der sich ähnlich wie der fiktive Verfasser des berühmten „Briefes“ für eine geraume Zeit in einer Entwicklungskrise befunden hat? Das ist nicht auszuschließen, wenn dabei nicht „die kategoriale Verschiedenheit von Biografie und Dichtung“ (Szondi 1978: 266) übersehen wird. Mag der „Brief“ auch schwierig erscheinen, so bietet er doch genügend Anregungen, ihn kritisch zu diskutieren. Lord Chandos macht der Sprache den Prozess; er…

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Verdrängte Erinnerung

Die Jahre der Demütigung scheinen den Deutschen beinahe vergessen, die Stabilisierung ihrer Wirtschaft, das so genannte „Wirtschaftswunder“ verschafft der Nation, genau genommen ihrem westlichen Teil internationale Anerkennung, da mehren sich die Stimmen derer, die den Deutschen ihre Selbstzufriedenheit vorwerfen. 1967 sieht sich die Nation mit der flammenden Anklageschrift des Ehepaars Mitscherlich konfrontiert. Die Autoren, beide Psychoanalytiker, halten den Deutschen Mangel an Selbstkritik und Verdrängung der mit dem Nationalsozialismus verbundenen Schuldgefühle vor. 1968 erreicht der Protest gegen die Elterngeneration seinen Höhepunkt. Tausende gehen auf die Straße, an den deutschen Hochschulen formiert sich der Protest gegen Professoren, die die nationalsozialistische Vergangenheit verharmlosen…

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